Runden-System als Schweizer System
Die präziseste Form eines Turnier-Modus wäre ein System "Jeder gegen Jeden", was bei eintägigen Pétanque-Turnieren aus Zeitgründen nicht realisiert werden kann. Das Schweizer System versucht, diese gerechteste aller Turnier-Modi mit einer deutlich verminderten Rundenzahl möglichst annähernd nachzubilden. Das Systems sieht vor, in jeder Runde möglichst die Teams gegeneinander antreten zu lassen, die im bisherigen Turnierverlauf ähnlich viele Punkte erzielt haben. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass zwei Teams zweimal aufeinandertreffen. Die Gegner und Reihenfolgen des Aufeinandertreffens ergeben sich erst während des Turnierverlaufs. Auf diesem Wege ist die Aussagekraft für die Rangliste einzelner Partien deutlich größer, als wenn Partien zufällig gelost würden.
In jeder Runde treffen die Teams mit gleich vielen Siegen aufeinander, wobei zusätzliche Wertungspunkte die Rangfolge bestimmen. Diese sind beim Schweizer System nicht die sonst üblichen Differenzpunkte, sondern die sog. Buchholzpunkte; diese sind die Siege der Gegner aus allen zurückliegenden Partien. Teams, die sich gegen leistungsstarke Gegner behauptet haben oder behaupten mussten, erhalten mehr Zusatzpunkte als die Teams, die gegen relativ leistungsschwache antreten mussten bzw. durften. Wenn diese zusätzlichen Punkte für eine exakte Wertung noch nicht ausreichen, werden die sog. Fein-Buchholzpunkte zusätzlich heran gezogen; diese sind die einfachen Buchholzpunkte aller Gegner aus dem Turnier.
Siegreich ist das Team, das im Turnierverlauf als einziges Team die höchste Anzahl an Siegen aufweist.
Dieser gerechteste Turniermodus zur Ermittlung einer Rangliste, die auch im Mittelfeld präzise eine leistungsgerechte Reihenfolge aufweist, ist bei den Teilnehmern überwiegend beliebt, weil alle Turnierteilnehmer bis zum Ende im Turniergeschehen bleiben, weil im Turnierverlauf die Gegner immer mehr ähnliche Spielstärke aufweisen und weil das Turnierergebnis ein sehr gerechtes Bild der eigenen Turnierleistung abgibt.
Die Turnierleitung gerät wegen der in jeder Runde immer langwierigeren Rechenarbeit unweigerlich in Stress, wenn kein geeignetes EDV-Programm verwendet wird. Dieses ist bei größeren Turnieren unbedingt zu empfehlen.
Auch ein EDV-Programm erwartet Grund-Eingaben, die korrekt den Empfehlungen für das Schweizer-System entsprechen sollten, damit keine verzerrten Ergebnisse die Folge werden. Zu diesen gehören insbesondere die Festlegung der Rundenzahl und das Setzen in der ersten Runde.
Eine Festlegung auf die Rundenzahl - ohne Kenntnis der tatsächlich zum Turniertag sich ergebenden Teilnehmerzahl - schon bei der Einladung zu einem Turnier nach Schweizer System führt schon im Ansatz zu weitgehend anderen Ergebnissen, als sie entsprechend dem Turniermodus sein sollten. Die Rundenzahl ergibt sich aus der Anzahl der tatsächlich teilnehmenden Teams. Die Berechnung dieser Rundenzahl muss "per Hand" und "Kopf" erledigt werden und danach als Vorgabe in das EDV-Programm eingegeben werden. Ziel ist die Berechnung der notwendigen Rundenzahl, die nur noch 1 Team mit der höchsten Zahl an Siegen übrig bleiben lässt. Wer "Pascalsches Dreieck" kennt und verwenden kann oder wer Formeln mit Logarithmen in den wissenschaftlichen Taschenrechner eingeben kann, wird es sehr elegant mathematisch lösen...; es genügt jedoch für die Turnierleitung eine einfache "Faust-Formel", um zum selben Ergebnis zu kommen: Anzahl der Runden entsprechend nächst niedrigerer 2er-Potenz-Zahl der Teilnehmeranzahl (ohne Cadrage) bei einfachen KO-System + 2. Beispiel: Bei 73 gemeldeten Teams ist die nächst niedrigere 2er-Potenz die Zahl 64. Die Quadratwurzel daraus ist 6 ( 2x2x2x2x2x2 ). Zur Zahl 6 addiere man 2 und erhält als nötige Rundenzahl die 8.
Noch übersichtlicher geht´s nach folgender Tabelle:
| Anzahl der teilnehmenden Teams | notwendige Rundenzahl Schweizer System |
| bis zu 7 | 4 |
| 8 bis zu 15 | 5 |
| 16 bis zu 31 | 6 |
| 32 bis zu 63 | 7 |
| 64 bis zu 127 | 8 |
| 128 bis zu 255 | 9 |
Das Setzen von Teams ist nicht zwingend erforderlich. Wie bei jedem Turnier-Modus kann jedoch bei Anwendung des Setzens vermieden werden, dass wahrscheinlich sehr leistungsstarke Teams gleich in der ersten Runde aufeinander treffen, wobei sich zwangsläufig eines dieser Teams eine Niederlage einhandelt und schon zu Anfang weiß, den Turniersieg nicht mehr erlangen zu können. Spannung wird frühzeitig entfallen, Spiele werden womöglich einfach nur "abgegeben"...
Je höher das Teilnahmefeld ist, umso wahrscheinlicher wird die Anzahl von 1 oder mehreren "Hängepartien" je Runde. Dies bedeutet 2 Stunden oder mehr. Spätestens ab 7 Runden ergeben sich meistens mindestens 14 Stunden Turnierdauer. Ab 7 Gesamtrunden sollte deshalb eine Zeitbegrenzung pro Runde festgelegt werden. Bei 90 Minuten je Runde (vielleicht auch 70 Minuten + letzte Aufnahme oder 60 Minuten + 2 Aufnahmen o.ä.) wird das Turnier auf insgesamt 11 Stunden zu begrenzen sein. Zeitprobleme sind übrigens keine Besonderheiten des Schweizer-Systems, weil auch beim Modus ABCD-KO mit 2 Vorrunden + Cadrage + Finalrunden ähnliche Zeiten entstehen können.
7ARRET 2011
Hamburg - Mecklenburg-Vorpommern - Schleswig-Holstein